Mitternachtsblau, 2013, visuell-akustische Installation, 22 Lautsprecher, Kabel, 5 CD-Player, 5 Verstärker, 5 CD´s, 5 Alustangen, cirka 500 x 380 x 1000 cm, „Mitternachtsblau“, Kunstverein Kohlenhof e.V.,Nürnberg 2013

 

Mitternachtsblau, 2013, visuell-akustische Installation, 22 Lautsprecher, Kabel, 5 CD-Player, 5 Verstärker, 5 CD´s, 5 Alustangen, cirka 500 x 380 x 1000 cm, „Mitternachtsblau“, Kunstverein Kohlenhof e.V.,Nürnberg 2013

„Mitternachtsblau“ thematisiert am Beispiel vergangener lokaler Textilproduktion heute sich entwickelnde und bestehende globalisierte Wirtschaftsstrukturen. Die visuell-akustische Installation lenkt damit die Aufmerksamkeit auf eine Voraussetzung unserer Konsum- und Lebenswelt und zeigt deren globale Verwobenheit auf.
Der Titel „Mitternachtsblau“ ist einem Artikel von Justin Jin zur Blue Jeans- Produktion in China aus einem Greenpeace Magazin vom März 2008 entlehnt. „Mitternachtsblau“ meint die Produktion rund um die Uhr. Gearbeitet (gefärbt, gewebt, genäht) wird üblicherweise jeden Tag im Monat. Zehn Stationen, die gleichmäßig in zwei Reihen zueinander positioniert sind verweisen auf die frühere Situation (ehemaliger Nähsaal) und somit auf die Abwesenheit. Sie sind gleichsam Leeerstellen für Mensch und Arbeitsplatz.

 

Beschreibung

Goldkante, 2009, Glimmer auf Wand, 203 x 30 x 203 cm, „Szenenwechsel“, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt 2009

Glimmer auf Wand, 203 x 203 cm

Goldkante, 2009, Glimmer auf Wand, 203 x 30 x 203 cm, „Szenenwechsel“, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt 2009

Die Goldkante markiert das Profil einer quadratischen Aussparung in der zweiten Etage des Museums mit Glimmer (Perlglanz-Pigment). Das Pigment wurde mittels eines Stupfpinsels ohne Bindemittel auf die Wand gebracht. Durch eine zuvor dünn aufgetragene Acryllasur haftet der Glimmer minimal an der Wand. Im Laufe der Ausstellung lösen sich oben aufliegenden Glimmerpigmente: Der Rand löst sich quasi auf . Das Gold entpuppt sich als Fake. Gold durch Glimmer ( Glimmer, ein Blender, der nicht hält, was er verspricht) dargestellt, hinterfragt gleichsam den Ort und das Bild. Die Kanten werden zum architektonischen Ornament. Als archtektonisches Ornament hinterfragt die Goldkante die Ordnung. Das Ornament suggeriert mittels Symmetrie und W iederholung Ordnung. Was nicht konform ist, wird unsichtbar gemacht. Im Falle der Goldkante verhält es sich umgekehrt. Verborgenes wird sichbar.

 

glänzende Aussichten, 2011, Digitaler Pigmentdruck auf Bütten, 170 x 110 cm, Schneideplotfolie auf Wand, 15 x 175 cm, Installationsansicht  Rathaus Schwabach, erste Etage, neben Trausaal und Zensusstelle, Schwabach 2011

glänzende Aussichten, 2011, Digitaler Pigmentdruck auf Bütten, 170 x 110 cm, Schneideplotfolie auf Wand, 15 x 175 cm, Installationsansicht, Rathaus Schwabach, erste Etage, neben Trausaal und Zensusstelle, Schwabach 2011

„glänzende Aussichten“ Die Arbeit für die Ausstellung „Im Zeichen des Goldes“ in der fränkischen Goldschlägerstadt Schwabach, deren Wirtschaft weltweit engagiert ist, greift die Sicherheitsfunktion des Goldes in Zeiten von Finanzkrisen und wirtschaftlicher Unsicherheit auf. Dabei scheint Gold in besonderer Weise das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit für Eigentum und Vermögen zu erfüllen. Die Arbeit ist im Rathaus, dem politisch wichtigsten Ort der Stadt platziert. Die ästhetische Formen der Arbeit sind Schriftzug und Muster. Das Muster ist auch ein Sinnbild für Vernetzung und Netz. In diesem Netzbezug verweisen „Glänzende Aussichten“ heute auch auf globale Zusammenhänge und letztlich auch auf globales Denken. Das rapportlose Muster entsteht aus aus dem Netz kopierten übereinandergelagerten Texten, die sich mit der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung des Goldes in der Gegenwart befassen.

 

Ercolano-Farbstück, 1997, „Circulus logos“, Münster St. Paul, Esslingen a/N 1997

Ercolano-Farbstück, 1997, „Circulus logos“, Münster St. Paul, Esslingen a/N 1997

 

 

 

Die Kirche, so wissen wir, sucht den Dialog mit allen Teilen der Gesellschaft, und so selbstverständlich auch mit der zeitgenössischen Kunst. die Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung haben den Dialog sehr ernst genommen und sich intensiv mit Geschichte und Gegenwart des Münsters St. Paul auseinandergesetzt. Anita Stöhr-Weber hat sich mit der Farbgeschichte des Kirchenraumes befasst und sich vom Restaurator erläutern lassen, dass die Farbe der Weihekreuze an der Südwand, das Ercolano, die Farbe der ursprünglichen Ausmalung der Kirche sei. Die Farbstücke, die Anita Stöhr-Weber für die Säulen des Kirchenschiffes geschaffen hat, basieren sämtlich auf der Farbe Ercolano als Pigment und nuancieren sich durch Beimischung von Weiß bis zu einem hellen Rosa hin aus. Der Betrachter kann die Gesamtheit dieser temporären, leichten und schwebenden ‚Ausmalung‘, die hier im Geiste der monochromen Malerei etwa eines Lo Savio oder Mark Rothko realisiert wurde, nur im durchschreiten des Ganzen Kirchenraumes, im Einnehmen unterschiedlicher Blickpunkte erfassen – ein durchaus auch im übertragenen Sinne zu begreifender Wahrnehmungsprozess. Ich bin mit den Arbeiten von Anita Stöhr-Weber seit einigen Jahren vertraut, und so war es für mich umso überraschender, dass ihre Farbstücke in dieser engen und so selbstverständlich erscheinenden Verbindung mit diesem Kirchenraum plötzlich Assoziationen wecken an jene wunderbaren Renaissancebilder eines Giovanni Bellini, welche die Madonna gegen den Landschaftshintergrund durch ein gefaltetes Tuch abgeschirmt darstellen, das leicht über eine Schnur gehängt ist. Eine ganz eigene Suggestion hat es auch, sich – vor den Farbstücken von Anita Stöhr-Weber stehend – der Bildgeschichte des Schweißtuches der Hi. Veronika zu erinnern. (aus: Renate Wiehager, Circulus logos, Zeitgenössische Kunst im Münster St. Paul, Esslingen, 1997) Circulus_logos